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30. November 2015
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30. November 2015
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Sarajevo

Bosnien

Zdravo Bosna!

Bosnien. Ein Land welches mich in meiner Kindheit geprägt hat und ich seit 20 Jahren sehen wollte. Ein Land welches mich mit Empathie erfüllte und meinen damaligen Wortschatz um viele, viele Fremdwörter erweiterte.

Dabei kannte ich Bosnien nur aus den Nachrichten. Ich kannte weder eine bosnische Familie noch hatte ich bosnische Freunde. Ich denke, dass ich in der zweiten Klasse gewesen bin, als ich zum ersten Mal die erschütternden Nachrichten sah und versucht hatte mir die Tränen aus dem Gesicht wegzuwischen bevor mich meine Geschwister dabei entdeckten.

Wenige Zeit später zog ein kleines Mädchen in unsere Nachbarschaft – AZRA. Ich konnte mir vorstellen mit welchem Leid sie hierherzog. Sie sprach kein Wort Deutsch und hatte immer Scheu wenn sie uns sah. Ich kann mich nicht daran erinnern wie lange es gedauert hatte, bis sie trotz Sprachbarriere endlich mit uns spielte.

Wenn wir im Sommerurlaub mit dem Auto in die Türkei fuhren, mussten wir aufgrund des Bosnienkriegs andere, längere und turbulentere Wege auf uns nehmen. Eine ewige Tortour. Ich weiß noch wie glücklich wir waren, als wir heil an der türkischen Grenze ankamen.

Seit 20 Jahren wollte ich nun nach Bosnien. Ständig plante ich meine Reise dorthin. Es kam jedoch immer etwas dazwischen. Dieses Jahr sollte es endlich soweit sein. Wir fuhren kurzfristig mit meinen Eltern, meiner jüngsten Schwester und meiner Cousine nach Bosnien – diesmal direkt und nicht auf Abwegen.

Anfangs war mir nicht bewusst was für eine schreckliche Fahrt wir erstmal hinter uns lassen müssen um am Ziel ankommen zu können. Bereits in Werfen / Österreich wollte ich die Fahrt abbrechen, da die äußerst winterlichen Verhältnisse auf der Autobahn mir Angst machten. „Augen zu und durch“ redete ich mir immer wieder ein obwohl ich den Tränen nahe war. Mit ganz viel Mut, Überwindung und Du´a kamen wir dann doch frühmorgens und unfallfrei in Sarajevo an.

Sarajevo – Hauptstadt Bosniens. Völlig mitgenommen und übermüdet versuchte ich meine Augen aufzureißen und mir die Stadt anzuschauen. Was ich sah war eine Balkanstadt, genauso wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich sah jedoch auch eine Schicksalsstadt die mit vielen verheilten aber auch noch vielen, offenen und tiefen Wunden gekennzeichnet ist. Eine sehr besondere Stadt.

Schnell fanden wir das Hotel welches ich erst zwei Tage vor Reiseantritt buchte. Nach einem sehr netten Empfang zogen wir uns in unsere schönen Zimmer zurück, welche wir definitiv nicht erwartet hatten. Generell gibt es hier sehr viele nette Menschen, die sowohl fließend Deutsch, Englisch oder sogar Türkisch können. Verständigungsprobleme hat man hier definitiv keine.

Nach einer kurzen Erholung machten wird uns frisch und gingen hinunter in die Altstadt zum Baščaršija (Marktplatz). Schon von weitem sahen wir bereits den Sebilj – ein osmanisch geprägter Brunnen der mitten im Baščaršija steht. Viele Besucher ließen sich in dem Taubenschwarm vor dem Sebilj fotografieren – wir machten ein Selfie und tranken aus dem Brunnen. Man sagt, dass jeder Reisende, der aus diesem Brunnen trinkt, die Stadt Sarajevo irgendwann einmal wieder besuchen wird (inşallah).

Die darauffolgenden Stunden in Sarajevo waren einfach unbeschreiblich eindrucksvoll, viel zu schade um zu berichten. Man muss diese Stadt einfach mal besucht haben. Unzählige Moscheen, Kirchen und Synagogen stehen nah beinander. Wusstet ihr, dass man Sarajevo daher auch „Klein-Jerusalem“ nennt?

Während unseres kurzen Aufenthalts in Sarajevo hatten wir versucht möglichst viel zu sehen. Ich denke aber, dass man viele Tage hier verbringen müsste, um alles sehen zu können. Was ich euch auf jeden Fall empfehlen kann ist das Essen hier. Insbesondere kann ich euch die Ćevabdžinica Petica – Ferhatović empfehlen. Wir konnten hier wirklich sehr, sehr leckeres und günstiges Ćevapčići (normale Portion für 7 KM = ca. 3,50 €) und Pileći fileti essen. Das Essen hier war sooooo lecker, dass ich den Laden am liebsten mit nach Deutschland geholt hätte oder ich die 10000 km wieder blind in Kauf nehmen würde.

Nicht umsonst wird dieses Restaurant nicht nur von Einheimischen sondern auch von Touristen gern´ besucht. Hier ist es non-stop überfüllt, aber man wartet gerne auf einen freien Platz. Ich konnte beobachten, wie viele der Gäste eng beieinander zusammenrutschten um auch anderen Gästen einen Sitzplatz zu gewähren. Mir schien als hätten sich hier alle in Trance gegessen. So viele nette, unbekümmerte, glückliche Gesichter in einem Restaurant hatte ich selten gesehen.

Was man hier in Sarajevo ebenfalls genießen muss, ist Burak (Börek) und Bosanska kahva (bosnischer Mokka), welcher zusammen mit rahat lokum serviert wird. Das Café Morića Han würde ich wärmstens empfehlen.

Was uns auch wirklich sehr, sehr, sehr gut geschmeckt hatte, war mala kifle (Stück für 15 kf = ca. 7 Cent) vom Pekara Imaret, welches versteckt in einem kleinen Hinterhof bei der sahat kula (osmanischer Uhrturm) steht und aus einem kleinen Fenster der Bäckerei verkauft wird. Diese kleinen Hörnchen sind einfach gigantisch gut egal ob pur oder mit Frischkäse.

In jeder Ecke Sarajevos taucht man in eine andere Welt ein. Im Baščaršija genießt man das osmanische, in anderen Teilen Sarajevos österreichisch – europäisches Flair.

Nach unserem, leider sehr kurzen, Aufenthalt in Sarajevo fuhren wir über Počitelj, Mostar und Blagaj entlang der Adriaküste zurück nach Deutschland.

Es war eine Reise voller Emotionen, vieler Anekdoten und Impressionen. Eine Reise in der ich alle vier Jahreszeiten erleben durfte und ich mich glücklich schätze, dass ich vieles mit der Kamera festhalten konnte.

In dem Sinne wünsche ich euch allen ein tolle Woche – Allah´a emanet!

 

PS: Meiner Mutter wurde trotz Vorsicht, binnen Sekunden, sowohl in Sarajevo als auch in Mostar, zweimal der Geldbeutel gestohlen. Meine Kamera wäre auch fast weg, hätte mich eine einheimische Bosnierin nicht auf zwei auffällige Passanten aufmerksam gemacht, welche uns bereits längere Zeit verfolgten und plötzlich die Kurve machten als mich die nette Bosnierin ansprach. Allgemein hatten wir so unsere Schwierigkeiten mit den vielen Bettelkindern und ausgehungerten Hunden.

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